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Mut lohnt sich immer

40 Jahre Pater-Rupert-Mayer-Zentrum für Kinder und Jugendliche mit Behinderung

Mit einem ambitionierten Fachtag hat Gesamtleiter Reinhard Mehringer auf den 40sten Geburtstag des Pater-Rupert-Mayer-Zentrums aufmerksam gemacht. Es ist eine von zwei weiteren Veranstaltungen im Jubiläumsjahr, in dem die Bildungsstätte für junge Menschen mit Körperbehinderung in Trägerschaft der Katholischen Jugendfürsorge Regensburg e.V. auf erfolgreiche Jahre zurückblickt und visionär nach der Zukunft fragt. Einer Zukunft, in der sich das Zentrum als Motor für inklusive Formen des Unterrichts und die selbstbestimmte Teilhabe junger Menschen mit und ohne Behinderung in unserer Gesellschaft versteht.


Seit den späten 60gern haben sich Pioniere mutig auf den Weg gemacht, um Schulen wie das Pater-Rupert-Mayer-Zentrum für Kinder mit Behinderung zu errichten. Die Katholische Jugendfürsorge der Diözese Regensburg (KJF) und mit ihr an der Spitze Prälat Dr. Josef Schweiger als geschäftsführender Direktor hat sich dieser Herausforderung intensiv gestellt und insgesamt zwölf Schulen bzw. Bildungsstätten – heute: Förderzentren und Förderberufsschulen – in der Oberpfalz und in Niederbayern aufgebaut.

KJF-Direktor Michael Eibl würdigte die Leistungen dieser Pioniere, darunter auch Herbert Sinz aus dem Verwaltungsrat, früher im Vorstand der KJF. „Schon immer haben wir in enger Abstimmung mit den Eltern und Familien unsere Leistungen und Einrichtungen weiterentwickelt", erklärte Eibl, „das gilt für unsere Schulen ebenso wie für unsere Angebote in den Bereichen Wohnen und Arbeiten." Eibl verwies auf die noch recht junge St. Johannes Werkstätte der KJF Werkstätten in Regensburg/Burgweintig, die speziell jungen Menschen mit einer Körperbehinderung berufliche Bildung und einen Arbeitsplatz bietet. Auch sie sei entstanden, weil sich Eltern für ihre Kinder eingesetzt haben. „Herzlichen Dank für Ihre Begleitung und Unterstützung", wandte sich Eibl beim Fachtag an die Eltern, die Vertreter aus Schulamt und Regierung, den leitenden Regierungsschuldirektor Stefan Fricker und Schulamtsdirektor Heribert Stautner, sowie an die vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.


Meilensteine in der Förderung junger Menschen mit Körperbehinderung

Die Geschichte des Pater-Rupert-Mayer-Zentrums begann 1972 am Sallener Berg. Zehn Schülerinnen und Schüler mit einer Körperbehinderung wurden dort unterrichtet. Nach Umzügen in die neu errichtete Bischof-Wittmann-Schule der KJF und nach Niedertraubling (1973 bis 1976), Anmietungen in der Prüfeninger Straße und am Hochweg in Regensburg sowie der Eröffnung des Internats (1979) wurde schließlich 1980 die Bildungsstätte für den Einzugsbereich Oberpfalz/Niederbayern errichtet. 1985 wurde das Zentrum eingeweiht und in Betrieb genommen. Die Nachfrage war groß und das ist bis heute so geblieben. „Die Einrichtung hat sich bis heute zu einem Zentrum mit sehr differenzierten und umfassenden Angeboten für 900 junge Menschen entwickelt", stellte Reinhard Mehringer heraus, „360 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten wertvolle Dienste in Schule, Tagesstätte, Therapie, Internat sowie in den angeschlossenen Einrichtungen Frühförderstelle, integratives Kinderhaus mit Kinderkrippe und einer weiteren Tagesstätte in Schwabelweis."

Während der 90ger Jahre und bis heute entwickelte sich das Pater-Rupert-Mayer-Zentrum beständig weiter. Dies ist auf Veränderungen in der Schülerschaft, in der Bildungspolitik und fachliche Weiterentwicklungen zurückzuführen. „Inklusion" leitet die Dynamik insbesondere der letzten Jahre. Das Pater-Rupert-Mayer-Zentrum versteht sich als „ein Haus der Zukunft", das mit seinen spezialisierten Angeboten jungen Menschen mit einer Körperbehinderung eine ganzheitliche und passgenaue Förderung bietet. 2011 öffnete sich das Zentrum mit dem integrativen Kinderhaus Bambino für nicht beeinträchtigte Kinder. Seit dem Schuljahr 2014/15 lernen in einer offenen Klasse Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam – der Weg der Zukunft ist beschritten.


Inklusion braucht Heil- und Sonderpädagogen

Für den Fachtag haben Gesamtleiter Reinhard Mehringer und sein Team ein umfangreiches Programm aufgestellt. In 17 Workshops und insbesondere durch die Vorträge von Prof. em. Dr. Urs Haeberlin, Universität Freiburg (CH), und Dr. Thomas Müller, Julius-Maximilians-Universität Würzburg, wollten die Veranstalter auf die Notwendigkeit der Heil- und Sonderpädagogik, insbesondere für eine inklusive Gesellschaft, hinweisen. Darüber hinaus zeigten Fachkräfte aus dem Haus, wie in einem multiprofessionellen Setting die optimale Förderung und Begleitung von Menschen mit Behinderung gelingt.
Im Jubiläumsjahr setzte das Pater-Rupert-Mayer-Zentrum mit diesem Fachtag einen wichtigen Akzent. Die Leistungsfähigkeit und das Zusammenspiel moderner Sonder- und Heilpädagogik, Medizin und Therapie zum Wohle junger Menschen standen im Zentrum des fachlichen Diskurses.

Weiterführende Informationen:

  • Behinderungsbilder und Schülerschaft verändern sich: In 2005 besuchten 95 Rollstuhlfahrer/innen das PRMZ, 2015 sind es nur noch 39
  • Seit 2008 nimmt das PRMZ Kinder aus dem Autismusspektrum auf; aktuell sind es 68 Kinder mit dieser Diagnose.
  • Der Anteil der Kinder mit einer diagnostizierten psychischen Störung nimmt zu. 2005 liegt dieser bei 17 Prozent, aktuell bei 39 Prozent.
  • Der Bedarf an unterstützter Kommunikation steigt beständig.
  • Es gibt immer mehr Individualkräfte für einzelne Schüler – derzeit sind 63 Individualbetreuungen erforderlich

Informationen unter www.prmz.de.

Text: Christine Allgeyer
Bilder: Christine Allgeyer